Genexis Aura 78x: CPE-Plattform für XGS-PON- und AON-Netze

Mit der Genexis Aura 78x steht Service Providern eine CPE-Plattform für unterschiedliche Glasfaser-Access-Architekturen zur Verfügung. Die Plattform umfasst zwei Varianten: die XGS78x für XGS-PON-Netze und die PX78x für AON- beziehungsweise Point-to-Point-Architekturen.

Damit deckt die Aura 78x zwei im Schweizer FTTH-Markt relevante Netzmodelle ab: passive optische Netze mit XGS-PON sowie aktive Ethernet-Anschlüsse. Beide Varianten sind bereits produktiv bei Service Providern im Einsatz. Für Netzbetreiber ist dies relevant, da bei der Auswahl einer CPE nicht nur die physikalische Schnittstelle und die maximale Datenrate zählen, sondern auch Provisionierung, Interoperabilität, Remote Management, Firmware-Lifecycle und betriebliche Integration.

Zwei Varianten für unterschiedliche Access-Architekturen

Die XGS78x ist für den Einsatz in XGS-PON-Netzen vorgesehen. XGS-PON ermöglicht symmetrische Übertragungsraten von bis zu 10 Gbit/s auf der PON-Infrastruktur und wird typischerweise in Point-to-Multipoint-Architekturen eingesetzt. Dabei teilen sich mehrere Endkunden eine PON-Zelle, während die Teilnehmertrennung und Dienstzuweisung über die OLT- und ONT-/CPE-Konfiguration erfolgt. Die PX78x ist für AON- Active Optical Network-Netze ausgelegt. In diesen Architekturen erhält der Endkunde eine dedizierte Ethernet-Verbindung bis zum Access-Switch oder Aggregationsnetz. Für Provider mit AON-Infrastruktur ist dies insbesondere dort relevant, wo bestehende Punkt-zu-Punkt-Netze weiterbetrieben oder mit neuen CPE-Generationen standardisiert werden sollen. Eine einheitliche Gerätefamilie für beide Access-Modelle kann betriebliche Prozesse vereinfachen. Dazu gehören Lagerhaltung, Ersatzteilmanagement, Support, Dokumentation sowie einheitliche Schulungs- und Betriebsprozesse.

Die BBF.247-Zertifizierung wird noch in diesem Jahr erwartet. Diese Zertifizierung ist für Provider relevant, weil sie die Standardkonformität und Multi-Vendor-Interoperabilität von PON-Endgeräten unterstützt. Auf dieser Grundlage erwarten wir eine Swisscom-Freigabe im Q1/Q2 2027. Danach soll die XGS78x auf BBCS-Anschlüssen eingesetzt werden können.

Interoperabilität im Schweizer FTTH-Umfeld

Im Schweizer Markt ist die Interoperabilität zwischen CPE, OLT und Provisionierungssystem ein zentrales Kriterium. Die XGS-PON-Variante XGS78x ist mit den in der Schweiz verbreiteten OLT-Plattformen von Nokia und Huawei interoperabel. Damit kann sie in bestehenden XGS-PON-Umgebungen eingesetzt werden, ohne dass die OLT-Infrastruktur grundsätzlich angepasst werden muss. Für den Betrieb in PON-Netzen sind neben der optischen Schnittstelle insbesondere OMCI-Verhalten, Service-Profile, VLAN-Zuordnung, QoS-Parameter, Firmware-Management und die korrekte Registrierung am OLT relevant. Diese Punkte entscheiden in der Praxis darüber, ob eine CPE nicht nur labortechnisch funktioniert, sondern stabil und reproduzierbar im Feld betrieben werden kann.

Softwarearchitektur mit IOWRT

Ein technischer Schwerpunkt der Aura 78x liegt in der Softwarearchitektur. Die Plattform basiert auf IOWRT, einem offenen, Linux-basierten Betriebssystem von Genexis. Im Unterschied zu klassischen, weitgehend geschlossenen CPE-Firmwares bietet dieser Ansatz mehr Flexibilität bei Integration, Erweiterung und Betrieb. Für Service Provider sind dabei insbesondere Remote Management, kontrollierte Software-Updates, Konfigurationsmanagement und die Integration in bestehende OSS-/BSS-Prozesse relevant. Eine offene Linux-basierte Architektur erleichtert zudem die Anpassung an kundenspezifische Service-Modelle, ohne dass jedes Funktionsmodul direkt in die Basis-Firmware integriert werden muss.

Container-Technologie für entkoppelte Dienste

Die Aura 78x kann neben den klassischen CPE-Funktionen auch als Plattform für zusätzliche Dienste verwendet werden. Durch Container-Technologie lassen sich Anwendungen vom Basissystem entkoppelt installieren, aktualisieren und betreiben. Dieser Ansatz ist vor allem für Provider-Dienste relevant, die unabhängig vom eigentlichen Routing- und Access-Betrieb bereitgestellt werden sollen. Dazu gehören beispielsweise Security-Funktionen, Kinderschutz, Diagnose-Agenten, Monitoring, Performance-Messungen oder weitere Value-Added-Services. Ein Beispiel ist die Integration von Sicherheitslösungen wie F-Secure. Container basierende Applikationen haben den Vorteil, dass sie modular verwaltet werden können. Updates einzelner Dienste sind dadurch besser vom Firmware-Lifecycle des Betriebssystems trennbar. Gleichzeitig bleibt die Basisfunktionalität der CPE stabiler, da zusätzliche Anwendungen nicht zwingend tief in das Betriebssystem integriert werden müssen.

Nachhaltigkeit und Hardware-Lifecycle

Neben technischen Betriebsparametern gewinnt auch der Hardware-Lifecycle von CPEs an Bedeutung. Die Aura 78x wird mit einem Gehäuse aus 90 Prozent rezykliertem Kunststoff produziert. Bei grossen Rollouts kann dies einen relevanten Beitrag zur Reduktion des Materialeinsatzes leisten. Aus technischer Sicht ist Nachhaltigkeit jedoch nicht nur eine Frage des Gehäusematerials. Entscheidend sind auch Energieverbrauch, Softwarepflege, Updatefähigkeit, Ersatzteilverfügbarkeit und die mögliche Nutzungsdauer der Geräte. Eine CPE, die über mehrere Jahre softwareseitig gepflegt und funktional erweitert werden kann, reduziert Austauschzyklen und vereinfacht den langfristigen Betrieb.

Christoph Good

Technischer Leiter Baar Sie betreiben ein XGS-PON / AON Netzwerk? Mit der Genexis Aura 78x setzen Sie auf eine CPE-Plattform für beide Netzarchitekturen – inklusive WiFi 7.